BUND Kreisverband Waldeck-Frankenberg
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Futterpellets und Pflanzenkohle für die Biodiversität

Bei einer Vortragsveranstaltung des BUND KV Waldeck-Frankenberg zum Thema  „Schnittgutverwertung“ informierten sich nahezu 40 Interessierte darüber, wie man überschüssiges Gras klimaschonend und biodiversitätsfördernd verwerten könnte. Das Thema beschäftigt Grünlandbetriebe, Kommunen und NaturschützerInnen, denn der Überschuss an Futtergras nimmt mit der zurückgehenden Tierhaltung zu, und von den Kommunen muss das auf ihren Spielplätzen, Friedhöfen und Wegrändern anfallende Gras, das seit 2014 als Abfall gilt, teuer entsorgt werden. Als Ausweg dient häufig das Mulchen der Flächen, was aber dazu führt, dass die Artenvielfalt massiv leidet. Doch ökologisch intaktes Grünland ist nicht nur als Lebensraum für die Biodiversität sehr wichtig, sondern ebenso als Kohlenstoffspeicher für das Klima. Also: „Wohin mit dem Gras?“, wenn das Grünland traditionell gemäht und abgeräumt werden soll?

Die Referentin Angela Odenhardt vom NABU Edertal, die als Wildbienenexpertin in Kontakt mit zahlreichen Landwirten steht, wollte mit ihrer Präsentation einen Anstoß zur Lösung dieses Problems geben. Sie zeigte auf, welche Möglichkeiten im Landkreis Waldeck-Frankenberg bestünden, wenn sich alle betroffenen Akteure wie etwa Kommunen, der Landkreis, Landwirte und Naturschutz zu einem Entwicklungsprozess zusammenfinden würden. Im Zentrum stand dabei der Bau eines Landwirtschaftlichen Trocknungswerkes, wie es bereits an 31 Standorten in Deutschland realisiert wurde. Dort könnten das Gras von Wiesen unterschiedlicher Bewirtschaftung und das kommunale Gras getrocknet und pelletiert werden. Während das eiweißreiche Gras als Hochleistungsfutter in Pelletform an Milchkühe verfüttert werden kann, können eiweißarme Graspellets als Pferdefutter dienen. Die Pellets aus dem „Abfallgras“ der Kommunen könnten in einer Pyrolyse-Anlage zu Pflanzenkohle werden, die dem Beton von Pflastersteinen zugefügt wird und diesen härter und klimaneutral werden lässt. Bei der Pyrolyse werden im Gegensatz zur bisher üblichen Kompostierung des „Abfallgrases“ nicht die klimaschädlichen Gase Methan und Lachgas freigesetzt. Die Abwärme des Pyrolyseprozesses wäre für die Trocknung des Schnittguts nutzbar. Die in unserem Landkreis verfügbaren Schnittgutmengen könnten den Betrieb einer solchen Anlage wirtschaftlich rentabel machen.

Im Anschluss daran wurden noch mehrere, bereits heute vielfach praktizierte kleinere Lösungen dargestellt, wie zum Beispiel, das Gras als Mulchmaterial und Bokashi in Garten und Landwirtschaft zu nutzen oder als Rohstoff in der Papierproduktion und als Kunststoffersatz einzusetzen.

In der anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Lösung des Problems „Schittgutverwertung“ angegangen werden sollte. Der Vorschlag, ein  Trocknungswerk im Landkreis ins Auge zu fassen, stieß auf breites Interesse und Zustimmung anwesender Fachleute aus der Branche.