Kulturpflanzen und Wildpflanzen
Nahezu alle Pflanzen, die von uns Menschen angebaut werden, sind Kulturpflanzen.
Ob im Garten oder auf dem Balkon, in städtischen Blumenbeeten oder auf den Feldern, es sind dort fast ausschließlich Pflanzen anzutreffen, in deren Entwicklung der Mensch mit züchterischen Maßnahmen eingegriffen hat. Es entstanden neue Sorten, die unseren menschlichen Bedürfnissen entsprechen: Entweder blühen sie besonders schön und groß, sie tragen schmackhaftere und größere Früchte oder sie bringen Erträge in bisher nicht gekannter Menge. Durch die gezielte Züchtung von Pflanzen haben sich einst ungeahnte Möglichkeiten aufgetan, für die Gewinnung unserer Nahrung, aber auch zur Verschönerung unseres Lebensraums.
Die Herkunft all unserer lecker schmeckenden oder wunderschön aussehenden Pflanzen ist wild und ursprünglich. Sie stammen ab von Pflanzen, die an bestimmten Orten von jeher vorkommen und die kein Mensch durch sein Zutun verändert hat. Einzig durch ihre über Jahrmillionen andauernde natürliche Entwicklung, während der sie sich mit Klima und Boden, mit Fressfeinden und Bestäubern abgestimmt haben, wurden sie zu denen, die sie heute sind: Unsere einheimischen Wildpflanzen.
Wir treffen Wildpflanzen überall an, wo die Natur noch verhältnismäßig unbeeinflusst vom Menschen Natur sein darf. Ihr besonderer Wert besteht darin, dass sie im Lauf der Evolution in ihrem Ökosystem zur Nahrungsquelle und zum Lebensraum der an sie angepassten Lebewesen wurden. Wildpflanzen und Insekten haben sich im Lauf der Zeit perfekt aufeinander eingespielt. Manche Wildbienenarten sind auf den Pollen einer bestimmten Pflanzenfamilie, manche sogar auf den Pollen einer einzigen Pflanzenart angewiesen, um ihre Brut zu ernähren. Die betreffenden Pflanzen wiederum profitieren von der zuverlässigen Bestäubung.
Ähnlich eng sind die Abhängigkeiten zwischen Schmetterlingen und „ihren“ Wildpflanzen. So ist der Aurorafalter Bestäuber der Knoblauchsrauke und des Wiesenschaumkrauts und er legt seine Eier vereinzelt an diesen Pflanzen ab.
Verschwinden diese Wildpflanzen aus der Wiese oder vom Wegrand, so können sich die Schmetterlinge dort nicht mehr fortpflanzen. Sie sind nicht in der Lage, auf andere Pflanzenarten auszuweichen, auch wenn wohlmeinende Menschen ihnen Angebote machen und beispielsweise einen Blühstreifen anlegen
Das Saatgut für die Blühstreifen ist gezüchtetes Saatgut, das in großen Mengen angebaut und vermehrt wird. Der Anbau von Wildpflanzen zur Saatgutgewinnung ist zwar möglich, doch wesentlich aufwändiger und kostspieliger.
Deshalb profitieren von Blühstreifen nur die Insekten, die wenig spezialisiert und weniger gefährdet sind. Für viele andere Insekten aber sind und bleiben Wildpflanzen überlebensnotwendig.